Ist espresso gesünder als kaffee? Was die wissenschaft sagt
Zusammenfassung
Wenn es um Kaffee und Gesundheit geht, gehört eine der häufigsten Fragen dazu, ob Espresso gesünder ist als Filterkaffee oder „normaler“ Kaffee. Espresso und klassischer Kaffee basieren auf denselben Kaffeebohnen, unterscheiden sich jedoch in der Zubereitungsmethode, Konzentration und Portionsgröße.
Die kurze Antwort lautet: Es gibt keinen eindeutigen Gewinner. Allerdings beeinflusst die Art der Zubereitung die chemische Zusammensetzung des Getränks und damit einige gesundheitliche Aspekte. Werfen wir einen Blick darauf, was wissenschaftliche Erkenntnisse nahelegen.
Espresso und Kaffee: gleiche herkunft, unterschiedliche extraktion
Espresso wird hergestellt, indem heißes Wasser unter hohem Druck etwa 25–30 Sekunden lang durch fein gemahlenen Kaffee gepresst wird. Filterkaffee hingegen verwendet eine längere Extraktionszeit und deutlich mehr Wasser.
Dadurch entsteht beim Espresso ein konzentrierteres Getränk, während Filterkaffee stärker verdünnt ist. Aus ernährungsphysiologischer Sicht enthalten jedoch beide sehr ähnliche bioaktive Substanzen, darunter Koffein, Polyphenole, Chlorogensäuren und weitere Antioxidantien, die für viele der positiven Effekte von Kaffee verantwortlich sind.
Koffein: konzentration oder portionsgröße?
Espresso gilt oft als „stärker“, was vor allem mit seiner hohen Konzentration zusammenhängt. Ein Espresso (25–30 ml) enthält durchschnittlich etwa 60–80 mg Koffein, während eine Tasse Filterkaffee (200–240 ml) rund 90–120 mg enthalten kann.
Das bedeutet: Espresso liefert mehr Koffein pro Milliliter, aber meist weniger Koffein pro Portion. Für die Gesundheit ist daher vor allem entscheidend, wie viele Tassen insgesamt pro Tag konsumiert werden, nicht nur die Art des Kaffees.
Antioxidantien und polyphenole: vorteil für beide
Kaffee ist eine der wichtigsten Antioxidantienquellen in der westlichen Ernährung. Diese Verbindungen helfen, oxidativen Stress zu reduzieren, und werden mit positiven Effekten auf Stoffwechsel und allgemeine Gesundheit in Verbindung gebracht.
Sowohl Espresso als auch Filterkaffee liefern relevante Mengen an Polyphenolen. Unterschiede ergeben sich eher durch Röstgrad und Zubereitungsart als durch das Getränk selbst. Insgesamt können beide als funktionelle Getränke gelten, sofern sie in Maßen konsumiert werden.
Zubereitungsmethode und cholesterin: die rolle der diterpene
Bestimmte natürliche Kaffeeinhaltsstoffe, insbesondere Cafestol und Kahweol, können bei hoher Aufnahme den LDL-Cholesterinspiegel leicht erhöhen.
Ihre Konzentration hängt stark von der Zubereitungsmethode ab. Ungefilterte Methoden wie türkischer Kaffee oder French Press enthalten höhere Mengen, während Papierfilter diese Stoffe deutlich reduzieren. Espresso liegt hinsichtlich des Gehalts im mittleren Bereich.
Personen mit erhöhtem Cholesterin können daher leicht von Filterkaffee profitieren, während moderater Espressokonsum in der Regel als unproblematisch gilt.
Ist espresso also gesünder als kaffee?
Streng genommen: nein. Sowohl Espresso als auch Filterkaffee lassen sich problemlos in einen gesunden Lebensstil integrieren. Espresso bietet einige praktische Vorteile, etwa kleinere Portionsgrößen, bessere Kontrolle über die Koffeinmenge und eine häufig empfundene bessere Bekömmlichkeit. Viele Menschen berichten, dass sie Espresso leichter verdauen als großen Kaffee – vermutlich aufgrund des geringeren Flüssigkeitsvolumens und des schnelleren Konsums. Zudem werden für Espresso häufig mittel- bis dunkelgeröstete Bohnen verwendet, die oft als weniger säurebetont wahrgenommen werden.
Filterkaffee kann hingegen für diejenigen etwas günstiger sein, die ihre Aufnahme von Diterpenen möglichst gering halten möchten.
Wie man kaffee gesünder genießt
Unabhängig von der gewählten Zubereitungsart empfiehlt es sich, Zucker und Süßstoffe zu begrenzen, Zusätze wie Sirup oder Sahne zu vermeiden, auf hochwertige Bohnen zu setzen und den Konsum moderat zu halten, in der Regel etwa 2–4 Tassen pro Tag.
Die Frage „Ist Espresso gesünder als Kaffee?“ hat keine eindeutige Antwort. Entscheidend sind vor allem die Qualität des Kaffees, die Zubereitungsmethode und die konsumierte Menge. Ein bewusster und moderater Umgang mit Kaffee bleibt der wichtigste Faktor, um von seinen positiven Eigenschaften zu profitieren.